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Beiträge: 114
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Anmeldedatum: 21.06.2006
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Verfasst am: 22.06.2006 23:02
Titel:
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Zwei Drittel aller neu zugelassenen PKWs in Brasilien fahren mit Pflanzensprit. Brasilianer sparen damit beinahe die Hälfte der Treibstoffkosten.
Reine Benzinautos gibt es im Amazonas-Staat nur etwa so viel wie in Deutschland Biosprit-Autos. Der Sprit kommt überwiegend aus heimischem Zuckerrohr. Dabei war das Land schon einmal weiter.
Brasilien hatte nach den Ölpreiskrisen der siebziger Jahre bereits Konsequenzen gezogen und seinen gesamten Treibstoffverbrauch zu 95 Prozent auf Sprit vom heimischen Acker umgestellt. Doch hier zu Lande wurde das Thema der zu Ende gehenden Ölreserven und der steigenden Ölpreise rasch verdrängt. Auch in Brasilien stieg ab Mitte der achtziger und in den neunziger Jahren der Benzin- und Ölverbrauch wieder an.
Aber jetzt zeigt sich der Vorteil der früheren Erfahrung mit Energie vom Acker. Es gilt wieder das Motto: Pack die Sonne in den Tank - der Tiger hat ausgedient. Der Großteil der 17 Millionen PKWs in Brasilien fährt Benzin, dem 20 bis 24 Prozent Alkohol aus Zuckerrohr beigemischt ist.
25.000 Tankstellen bieten Bioethanol oder Beimischungen an - das ist beinahe flächendeckend - hauptsächlich in den Städten. Für viele Autos ist das kein Problem. Eine Sonde erkennt, welcher Kraftstoff oder welche Mischung von Kraftstoffen aktuell im Tank ist. Zündung und Einspritzung werden automatisch entsprechend eingestellt.
In Brasilien und Kuba, jetzt aber auch zunehmend in den USA, spielt E85 eine immer größere Rolle. Das ist Fahrzeugsprit, der zu 85 Prozent aus Bioethanol und nur noch zu 15 Prozent aus herkömmlichem Benzin oder Diesel besteht. Dazu notwendig ist ein Flex-Fuel-Motor, der sowohl mit Alkohol wie auch mit Benzin oder einem Gemisch aus beidem fahren kann: Eine Schnaps-Idee mit Zukunft.
Deutschland und die EU sind bei diesen Kraftstoffen und entsprechenden Motoren der Zukunft noch ganz am Anfang. Diese Technologien haben die deutschen Autobauer wieder einmal verschlafen: Nach dem Dieselrußfilter und der Hybrid-Technik, nun das dritte große Versäumnis der hiesigen Autoindustrie.
In Brasilien wurden 2005 rund 15 Milliarden Liter Bioethanol auf dem eigenen Acker gewonnen. Obwohl Zuckerrohr nur auf einem Prozent der Ackerfläche Brasiliens angebaut wird, entstehen durch häufig konzentrierten und zentralisierten Anbau Umweltprobleme durch Monokulturen. Großflächiger Anbau kann zu Bodenerosion führen. Aber das Problem ist lösbar und vermeidbar. Monokulturen bringen immer mittel- und langfristige Probleme. Keine intelligente Lösung ist auch das gelegentliche Abholzen des Regenwaldes, um Zuckerrohrplantagen anzubauen.
Der große Ökologe José Lutzenberger hatte auf sehr intelligente Art und Weise gezeigt - auch auf seiner eigenen Farm - dass und wie der Zielkonflikt Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und Überforderung der Böden gelöst werden kann.
Die Natur bietet uns hunderte von Pflanzen an, die wir energetisch nutzen können: Leinsamen, Hanf, Raps, Soja, Zuckerrohr, Sonnenblumen, mehrere hunderte Schilfgrasarten, sowie Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft oder auch Gülle zum Vergasen.
Die EU will bis 2010 einen Anteil von 5,75 Prozent Biosprit am Gesamtverbrauch. Die "zuckersüße Alternative zu Benzin" ("Taz" vom 13./14. Mai 2006) kann und sollte forciert eingesetzt werden. Brasilianische Fehler können dabei sehr wohl vermieden werden.
Wer vermeiden will, dass billige Produkte aus Brasilien bald den hiesigen Markt überschwemmen, muss sich für den raschen Ausbau des heimischen Marktes einsetzen. Genug stillgelegte Flächen gibt es. In Europa und vor allem in den neuen osteuropäischen EU-Ländern haben Landwirte in den nächsten Jahren eine große Zukunftschance, wenn sie Energiewirte werden.
Die Vorteile: Entlastung der Umwelt, wirtschaftliche Stärkung der europäischen Regionen und hunderttausende neuer Arbeitsplätze, keine Euro-Milliarden für nichtdemokratische politische Regime.
http://www.windkraft.de/
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